Montag, 1. März 2010
Donnerstag, 25. Februar 2010
aus den Notizbüchern des Ryszard Kapuscinski
"Reisen, Lesen und Reflexion - das sind die drei Quellen, aus denen ich beim Schreiben schöpfe, sie liefern mir noch sporadische Ausflüge in die Posie und Fotografie.
Die erste Quelle ist also die Reise als Entdeckung, als Exploration, als Anstrengung des Wissenschaftlers. Reisen als Suche der Wahrheit, nicht nach Entspannung. Ich möchte mich der Wirklichkeit, der ich begegne, annähern. Sie sehen, erkennen, begreifen. Das verlangt ständige Konzentration und gleichzeitig ein ständiges Sich-Öffnen, um möglichst viel aufzunehmen, erleben, erinnern zu können.
Die zweite Quelle ist eine umfangreiche und ständige Lektüre. Wenn man seinen Texten kubistische Qualität verleihen will, muss man seinen Blickpunkt um zusätzliche Lichter und Perspektiven erweitern. Daher verwende ich viele Zitate. Es geht mir darum, auch andere Stimmen ertönen, andere Urteile und Meinungen zu Wort kommen zu lassen. Das Studium der Literatur des jeweiligen Gegenstandes ist natürlich in vielerlei Hinsicht nützlich. Nicht zuletzt, weil der Mensch manchmal glaubt, er habe auf einer Reise eine Entdeckung gemacht. Bei der Lektüre stellt sich dann heraus, dass vor ihm schon jemand die Idee hatte! Also versucht man eine andere Richtung einzuschlagen, um sich nicht zu wiederholen, keine Banalitäten hinzuschreiben.
Die dritte Quelle schließlich, die in Verbindung steht mit den beiden vorigen, ist meine Reflexion. Durch das Prisma meiner eigenen Erfahrungen als Reisender und Leser versuche ich meinen Blickpunkt zu definieren, die sich aufdrängenden Reflexionen niederzulegen, die gesammelten Eindrücke zu überdenken, die Gedanken zu ordnen.
Ich betrachte mich als Erforscher des Anderen - anderer Kulturen, anderer Denkweisen, anderer Verhaltensweisen. Ich möchte die positiv verstandene Fremdheit kennenlernen, mit der ich in Berührung kommen will, um sie zu begreifen. Es geht darum, wie man die Wirklichkeit neu und adäquat beschreiben kann. Manchmal nennt man solches Schreiben nicht-fiktionales Schreiben. Ich würdes es kreatives nicht-fiktionales Schreiben nennen, die persönliche Anwesenheit ist dafür wichtig. Manchmal fragt man mich, wer der Held meiner Bücher sei. Dann sage ich: Dieser Held bin ich, denn die Bücher handeln von einer Person, die herumreist, sich umschaut, liest, nachdenkt und über das alles schreibt..."
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