Fürs Wochenende hat mich Anja zu sich nach Hause eingeladen, Sieradz heißt der Ort, in dem sie aufgewachsen ist. Das ist ca 1,5 h von Lodz entfernt und ich denke, ich werde dieses Angebot annehmen. Dadurch ändern sich meine Pläne leicht und ich werde doch nicht das Halbfinale und Finale der Damen-Volleyball-Europameisterschaft in Lodz sehen, aber diese nette Einladung ist mir doch wichtiger als der Sport. Den habe ich dafür gestern schon mitgenommen! Waren zwar noch Zwischenrundenspiele, aber nicht uninteressant. Russland gegen Niederlande als erste Begegnung und ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob die lauthalse Unterstützung der Niederländer durch das nahezu ausschließlich polnische Publikum daher rührte, dass die polnische Mannschaft dadurch leichter ins Halbfinale einziehen kann oder ob es die offensichtliche Abneigung gegen Russland war. Mh, das sollte ich noch rausfinden. Oder weiß jemand, ob der Sieg der Niederländerinnen etwas an der Ausgangssituation der Polinnen geändert hat?
Beim zweiten Spiel dann brannte die Bude, um das mal so salopp auszudrücken. Polen gegen Bulgarien, die ganze Halle war voll, weiß und rot. Emotionen pur bei den Zuschauern, volle Kehlen singen, wunde Hände klatschen und verrückte Adler fliegen. Abgefahren. Und alle liegen sich in den Armen, als der Sieg (unerwartet) errungen ward. In meinen Augen war die bulgarische Mannschaft die bessere, aber eben nicht zu Hause. Alwin, Daniel, wenn ihr über Spielereinkäufe nachdenkt, dann kann man schon mal in Polen kucken gehen. Allerdings würde sich ein Blick nach Bulgarien noch eher lohnen, meine ich. Fantastische Blockspielerinnen, da sollte ich mal in die Schule gehen. Schier unglaublich, was für Wände die am Netz aufbauen!
Nachdem ich ja nun unerwartet noch ein paar Tage frei habe, genieße ich es, durch die Stadt zu schlendern, wenn sich nicht gerade Wolkenbrüche über Lodz ergießen. Im Englischen sagt man „it’s raining cats and dogs“, ich muss unbedingt das polnische Pendant dazu herausfinden... Jedenfalls bin ich davon überzeugt, dass Lodz keine so hässliche Stadt ist wie ich viele Stimmen hab sagen hören. Keineswegs! Industrie klar, und der Anblick beim Ausstieg aus dem Zug ist auch wirklich nicht schick, aber es gibt viele Grünflächen und etliche Straßenzüge oder –abschnitte, die einfach schön anzusehen sind. Und es gibt viele tolle Sachen in der Stadt: da ist zum Beispiel Hollylodz (hier kommt die Aussprache des polnischen ins Spiel: wenn man den Stadtnamen richtig ausspricht, dann heißt das nämlich „hollywoodsch), der polnische „Walk of fame“ in der Piotrkowska-Straße, der berühmten und einladenden Weggeh-Meile (bzw 5km) und Dreh-und Angelpunkt der Stadt. Ich muss gestehen, dass mir die meisten der dort in Sterne eingravierten Namen nichts sagen, außer Andrzej Wajda und Roman Polanski. Ich war ja am überlegen, ob ich Handschellen auf seinen Stern legen soll, allerdings hatte ich gerade keine einstecken. Dann gibt es da 12.859 Pflastersteine mit den Namen der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Lodz zur Jahrtausendwende. Viele Denkmäler von berühmten Leuten, z.B. Artur Rubinstein, der an seinem Flügel sitzt und in die Tasten haut, natürlich ein Stück von Chopin aufgelegt. Oder, und das mag ich besonders, jenes von Julian Tuwim, der auf einer Bank sitzt und seinen Gedanken nachhängt. Tuwim hat verrückte Gedichte geschrieben, die auch mich angesprochen haben: er vermag es, mit seinen Worten Musik zu machen. So hörte ich Gedichte von ihm rezitiert mit den Namen „lokomotywa“ und „Radio der Vögel“. Unglaublich, wie lautmalerisch die polnische Sprache ist. Wenn man Tuwim hört, meint man, es fährt ein Zug neben einem ab, oder man befindet sich im Vogelhaus im Zoo.
Am anderen Ende der Piotrkowska-Straße befindet sich der „Platz der Freiheit“ – plac wolnosci. Mädels, habt ihr noch den „plat unirii“ in Bukarest in Erinnerung? Ungefähr 10mal kleiner, aber so vom Erscheinungsbild her das selbe.
So, das wars mal wieder, ich bin ja grad doch eher fleißig am Schreiben, wer soll das denn alles lesen?!
Pozdrawiam serdecznie,
- chrissi
Freitag, 2. Oktober 2009
Donnerstag, 1. Oktober 2009
Jestem w Łodzi
huiuiui, eine intensive Zeit in Warschau liegt hinter mir. Ein Monat voll Sprachkurs (mehr oder weniger), aber wohl vor allem ein Monat voll mit Begegnungen, die meine Zeit dort so sehr bereichert haben. Ich glaube, diese wertvollen Momente waren es, die mein Gepaeck ebenso wie mein Herz so schwer machten, als ich am Dienstag in den Zug sprang, um gen Łódż aufzubrechen.
Am Montag erhielten wir in unserer Schule in einer offiziellen Zeremonie unser Sprachzeugnis und abends genossen wir die letzten Stunden gemeinsam in unserem Wohnheim: wir EILCler luden zum europaeischen Abend, jede Nation hat ein Gericht aus der Heimat zubereitet. Somit fanden wir uns in einem Berg von leckerem Essen wieder und plauderten bis spaet in die Nacht. Ein rundes Ende, wie ich meine. Und teil eins meines Projektes ist abgeschlossen: ich habe gelernt, wie man "Kruski leniwe" (oder so aehnlich) zubereitet. und ich muss gestehen, wieder einmal bin ich den Speisen dieses Landes verfallen. JA, ich mag Bigos und JA, ich mag Pierogi, und JA, ich mag diese Pfannkuchen, deren Namen ich mir partout nicht merken kann und JA, ich mag auch diese Brotkringel, die man sich um den Hals haengen kann und und und...
In Łódż habe ich meine WG bezogen, wo so langsam alles anlaeuft. Die anfaengliche Zurueckhaltung meiner Mitbewohnerinnen bricht allmaehlich auf, gestern hatten wir schon einen ersten Maedels-Abend im Wohnzimmer mit Musik, Tratsch und Klatsch und heissem Tee. Mein Mietvertrag ist unter Dach und Fach und auch in der Uni ist alles scheinbar geklaert. Ich wurde dort sehr herzlich empfangen, nachdem ich die Tuer des Zimmers Nr 24 zoegerlich oeffnete und mit fragendem Blick daherstammelte, ob dies das Buero fuer internationale Angelegenheiten sei, toente mir aus 4 Kehlen ein kraeftiges "Ja, und du musst Christina sein" entgegen. Wow. Nach einigem Geplaenkel und Stundenplan-Bastelei ging das Gespraech recht schnell auf die Frage zu, weshalb in aller Welt ich denn łódz als Erasmus-Stadt ausgewaehlt habe, ich sei die erste Studentin aus ganz Deutschland, die es hierher verschlaegt. Schluck. Oh, i better behave well here... Gruende fuer Lodz gibt es nicht sooo viele, es ist halt die einzige Partneruniversitaet, die wir in Polen haben. Fuer Polen gibt es einige Gruende. Und ich glaube, wohl fuehlen kann ich mich vielerorts, schliesslich sind es fuer mich hauptsaechlich die Menschen, mit denen ich zu tun habe, die einen Ort fuer mich lebenswert und angenehm machen. Aber das wisst ihr ja bereits alles.
So, ich habe noch bis naechste Woche frei, das heisst, ich werde jetzt mal versuchen, Ueberblick ueber die Stadt zu erhalten und vielleicht kriege ich ja noch Tickets fuer die Volleyball-EM, die zur Zeit in meiner Stadt gespielt wird :-)
herzlichst,
- chrissi
Am Montag erhielten wir in unserer Schule in einer offiziellen Zeremonie unser Sprachzeugnis und abends genossen wir die letzten Stunden gemeinsam in unserem Wohnheim: wir EILCler luden zum europaeischen Abend, jede Nation hat ein Gericht aus der Heimat zubereitet. Somit fanden wir uns in einem Berg von leckerem Essen wieder und plauderten bis spaet in die Nacht. Ein rundes Ende, wie ich meine. Und teil eins meines Projektes ist abgeschlossen: ich habe gelernt, wie man "Kruski leniwe" (oder so aehnlich) zubereitet. und ich muss gestehen, wieder einmal bin ich den Speisen dieses Landes verfallen. JA, ich mag Bigos und JA, ich mag Pierogi, und JA, ich mag diese Pfannkuchen, deren Namen ich mir partout nicht merken kann und JA, ich mag auch diese Brotkringel, die man sich um den Hals haengen kann und und und...
In Łódż habe ich meine WG bezogen, wo so langsam alles anlaeuft. Die anfaengliche Zurueckhaltung meiner Mitbewohnerinnen bricht allmaehlich auf, gestern hatten wir schon einen ersten Maedels-Abend im Wohnzimmer mit Musik, Tratsch und Klatsch und heissem Tee. Mein Mietvertrag ist unter Dach und Fach und auch in der Uni ist alles scheinbar geklaert. Ich wurde dort sehr herzlich empfangen, nachdem ich die Tuer des Zimmers Nr 24 zoegerlich oeffnete und mit fragendem Blick daherstammelte, ob dies das Buero fuer internationale Angelegenheiten sei, toente mir aus 4 Kehlen ein kraeftiges "Ja, und du musst Christina sein" entgegen. Wow. Nach einigem Geplaenkel und Stundenplan-Bastelei ging das Gespraech recht schnell auf die Frage zu, weshalb in aller Welt ich denn łódz als Erasmus-Stadt ausgewaehlt habe, ich sei die erste Studentin aus ganz Deutschland, die es hierher verschlaegt. Schluck. Oh, i better behave well here... Gruende fuer Lodz gibt es nicht sooo viele, es ist halt die einzige Partneruniversitaet, die wir in Polen haben. Fuer Polen gibt es einige Gruende. Und ich glaube, wohl fuehlen kann ich mich vielerorts, schliesslich sind es fuer mich hauptsaechlich die Menschen, mit denen ich zu tun habe, die einen Ort fuer mich lebenswert und angenehm machen. Aber das wisst ihr ja bereits alles.
So, ich habe noch bis naechste Woche frei, das heisst, ich werde jetzt mal versuchen, Ueberblick ueber die Stadt zu erhalten und vielleicht kriege ich ja noch Tickets fuer die Volleyball-EM, die zur Zeit in meiner Stadt gespielt wird :-)
herzlichst,
- chrissi
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