Das kann viel bedeuten.
Lodz, die erste Woche zum Beispiel. Die ist vorbei. Jetzt kann ich mich halbwegs orientieren in der Stadt. Schon wirklich ganz nett, möchte ich sagen, wenngleich auch sicherlich nicht vergleichbar mit den westlichen Ortschaften, in denen ich bisweilen zu Hause war. Aber ich finds einfach schön, wenn man aus so ’ner einfachen Bude am Gehsteig Strumpfhosen kaufen kann. Hat ’nen ganz eigenen Charme, meine ich.
Lodz, die erste Straftat: ich bin gerade online, aber diesmal nicht in einem Internetcafe, sondern über ein WLAN Netzwerk, das mein Rechner hier im Haus gefunden hat. Bin mir nicht so ganz sicher, inwieweit das eine Straftat ist, und bin mir auch ebenso wenig sicher, wie lange die Verbindung hält :-)
Lodz, die erste richtig nette Begegnung. Lange hats gedauert und ich fragte mich schon, was ich wohl falsch mache hier, aber inzwischen kenne ich immerhin schon einen netten Schotten, der mir dann auch gleich zu einem weiteren Ersten Mal verholfen hat:
Lodz, die erste richtig gute Kneipe. Dunkle, alte Holzmöbel, gutes Bier, gute Musik (la Môme), vor den Klos Kinositze. Urig irgendwie und ein bisschen künstlerisch. Taugt mir tatsächlich sehr gut.
Lodz, die erste Vorlesung: seit Montag bin ich wahrhaftig Studentin hier! Mein Stundenplan besteht bisher aus Surgery, Vorlesung und Praxisseminar, Public health, Pediatrics (Vorlesungen und Praxisseminar), Internal medicine (Vorlesung und Praxisseminar) und Polisch-Sprachkurs. Ist jetzt nicht so bombig viel zu tun, meine ich, aber ich kann nix zusätzlich belegen, weil das Studium hier anders organisiert ist als bei mir daheim: Wir haben hier nicht jede Woche die gleichen Vorlesungen, sondern vielmehr Block-Veranstaltungen. Somit besteht der Monat November für mich hauptsächlich aus Chirurgie, der Januar vornehmlich aus Pädiatrie, Dezember wird voll sein mit Innere. Diese Praxisblocks sind dann auch zeitintensiv, jeden Tag von 8 bis 15 Uhr. Weitere Veranstaltungen (ich würde sehr gerne Gyn machen...) kann ich also nicht belegen, weil ich zu diesen den Blockseminar-Zeiten bereits andere Veranstaltungen habe. Schade, aber nicht allzu schlimm.
Um die vielen Lücken in meinem Stundenplan zu füllen, habe ich mich inzwischen auch schon daran gemacht, meine Pläne zu verwirklichen, und hier ein bisschen was geisteswissenschaftliches zu lernen. Nach anfangs etwas verwirrt-fragenden Blicken im Studentenbüro der Fakultät für Politik und Soziologie wurde mir sehr freundlich weitergeholfen bei meiner Suche nach Vorlesungen, die in meinen Studenplan passen können. Klar ist noch nichts, da das akademische Semester an dieser Fakultät erst nächste Woche beginnt, aber ich bin optimistisch.
Außerdem sehr interessant an meinem Studium hier: Unser Semester umfasst 25 Studenten. Und mir wurde gesagt, dass das eine große Klasse ist. Aha, ähm, in Erlangen sind wir 170, und das ist in Deutschland noch eher klein, stimmts? Ich finds jedenfalls eine sehr angenehme, familiäre Lehrsituation.
Lodz, die erste Verschiebung der Perspektive: hängt auch mit meinem Studium zusammen. In meiner Klasse sind fast nur Nigerianer, Inder und Norweger, die jedoch den Gesichtszügen zu urteilen alle Vorfahren im Iran o.ä. haben. Insofern bin ich außer einem Schweden die einzig hellhäutige im Vorlesungssaal bzw. Klassenzimmer. Heute sind noch 6 Erasmus-Franzosen dazugestoßen, die sind auch hellhäutig. Aber wirklich mal wieder erfrischend, in diese Rolle zu schlüpfen. Das letzte Mal, dass dem so war, ist ja doch wieder ne Weile her inzwischen. Indien...
Lodz, die erste Einsamkeit. Wie oben schon erwähnt, tue ich mich hier nicht ganz so leicht, neue Leute kennen zu lernen. Woran das liegt? Keine Ahnung, ich meine, ich bin hier nicht weniger umgänglich als in Warschau oder als ich sonst wo auf der Welt war. Mh, ich denk mir einfach mal „Gut Ding will Weile haben“ und vertröste mich auf später... Oder ich hangle mich von Wochenende zu Wochenende. Am Freitag nämlich geht’s nach Warschau, weil ich am Samstag mit Alessandro in einen Naturpark an der Grenze zu Weißrussland düsen werde, um da ein bisschen im europäischen Urwald zu flanieren und Bisons anzukucken. Und wenn das Wetter nicht unter aller Sau ist, dann werden wir da auch zelten. Jipppiieeee, mal wieder draußen aktiv sein!
So, das wars schon wieder. Sobald ich noch ne bessere Zugangsmöglichkeit zum Internet gefunden habe, gibt’s auch wieder ein paar Bildchen aus meinem Leben hier, nicht nur von der Stadt, sondern auch von meiner Wohnung, in der ich lebe. Ach ja, was diese abelangt, so habe ich gestern erfahren, dass wir da, wo jetzt die Küche ist, ein weiteres Badezimmer bekommen (eins ist doch n bissl wenig für 7 Leute). Dafür kommt die Küche mit ins Esszimmer. Hab ich nix dagegen! Bin mal gespannt, wann das losgeht. Als ich den Vermieter gefragt habe, antwortete er mir „juz“. Das heißt eigentlich, dass der Umbau quasi schon angefangen hat. Nur seh ich davon noch nix :-)
Und übrigens muss ich diesen Text doch im Internetcafe hochladen, meine Netzwerkquelle hat sich soeben verabschiedet...
btw, this is what lodz is like, parts of it: http://www.youtube.com/watch?v=xT20zaOIJxg
Mittwoch, 7. Oktober 2009
Freitag, 2. Oktober 2009
Raz, dwa, trzy – POLSKAAAAAAAAAA biało czerwoni
Fürs Wochenende hat mich Anja zu sich nach Hause eingeladen, Sieradz heißt der Ort, in dem sie aufgewachsen ist. Das ist ca 1,5 h von Lodz entfernt und ich denke, ich werde dieses Angebot annehmen. Dadurch ändern sich meine Pläne leicht und ich werde doch nicht das Halbfinale und Finale der Damen-Volleyball-Europameisterschaft in Lodz sehen, aber diese nette Einladung ist mir doch wichtiger als der Sport. Den habe ich dafür gestern schon mitgenommen! Waren zwar noch Zwischenrundenspiele, aber nicht uninteressant. Russland gegen Niederlande als erste Begegnung und ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob die lauthalse Unterstützung der Niederländer durch das nahezu ausschließlich polnische Publikum daher rührte, dass die polnische Mannschaft dadurch leichter ins Halbfinale einziehen kann oder ob es die offensichtliche Abneigung gegen Russland war. Mh, das sollte ich noch rausfinden. Oder weiß jemand, ob der Sieg der Niederländerinnen etwas an der Ausgangssituation der Polinnen geändert hat?
Beim zweiten Spiel dann brannte die Bude, um das mal so salopp auszudrücken. Polen gegen Bulgarien, die ganze Halle war voll, weiß und rot. Emotionen pur bei den Zuschauern, volle Kehlen singen, wunde Hände klatschen und verrückte Adler fliegen. Abgefahren. Und alle liegen sich in den Armen, als der Sieg (unerwartet) errungen ward. In meinen Augen war die bulgarische Mannschaft die bessere, aber eben nicht zu Hause. Alwin, Daniel, wenn ihr über Spielereinkäufe nachdenkt, dann kann man schon mal in Polen kucken gehen. Allerdings würde sich ein Blick nach Bulgarien noch eher lohnen, meine ich. Fantastische Blockspielerinnen, da sollte ich mal in die Schule gehen. Schier unglaublich, was für Wände die am Netz aufbauen!
Nachdem ich ja nun unerwartet noch ein paar Tage frei habe, genieße ich es, durch die Stadt zu schlendern, wenn sich nicht gerade Wolkenbrüche über Lodz ergießen. Im Englischen sagt man „it’s raining cats and dogs“, ich muss unbedingt das polnische Pendant dazu herausfinden... Jedenfalls bin ich davon überzeugt, dass Lodz keine so hässliche Stadt ist wie ich viele Stimmen hab sagen hören. Keineswegs! Industrie klar, und der Anblick beim Ausstieg aus dem Zug ist auch wirklich nicht schick, aber es gibt viele Grünflächen und etliche Straßenzüge oder –abschnitte, die einfach schön anzusehen sind. Und es gibt viele tolle Sachen in der Stadt: da ist zum Beispiel Hollylodz (hier kommt die Aussprache des polnischen ins Spiel: wenn man den Stadtnamen richtig ausspricht, dann heißt das nämlich „hollywoodsch), der polnische „Walk of fame“ in der Piotrkowska-Straße, der berühmten und einladenden Weggeh-Meile (bzw 5km) und Dreh-und Angelpunkt der Stadt. Ich muss gestehen, dass mir die meisten der dort in Sterne eingravierten Namen nichts sagen, außer Andrzej Wajda und Roman Polanski. Ich war ja am überlegen, ob ich Handschellen auf seinen Stern legen soll, allerdings hatte ich gerade keine einstecken. Dann gibt es da 12.859 Pflastersteine mit den Namen der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Lodz zur Jahrtausendwende. Viele Denkmäler von berühmten Leuten, z.B. Artur Rubinstein, der an seinem Flügel sitzt und in die Tasten haut, natürlich ein Stück von Chopin aufgelegt. Oder, und das mag ich besonders, jenes von Julian Tuwim, der auf einer Bank sitzt und seinen Gedanken nachhängt. Tuwim hat verrückte Gedichte geschrieben, die auch mich angesprochen haben: er vermag es, mit seinen Worten Musik zu machen. So hörte ich Gedichte von ihm rezitiert mit den Namen „lokomotywa“ und „Radio der Vögel“. Unglaublich, wie lautmalerisch die polnische Sprache ist. Wenn man Tuwim hört, meint man, es fährt ein Zug neben einem ab, oder man befindet sich im Vogelhaus im Zoo.
Am anderen Ende der Piotrkowska-Straße befindet sich der „Platz der Freiheit“ – plac wolnosci. Mädels, habt ihr noch den „plat unirii“ in Bukarest in Erinnerung? Ungefähr 10mal kleiner, aber so vom Erscheinungsbild her das selbe.
So, das wars mal wieder, ich bin ja grad doch eher fleißig am Schreiben, wer soll das denn alles lesen?!
Pozdrawiam serdecznie,
- chrissi
Beim zweiten Spiel dann brannte die Bude, um das mal so salopp auszudrücken. Polen gegen Bulgarien, die ganze Halle war voll, weiß und rot. Emotionen pur bei den Zuschauern, volle Kehlen singen, wunde Hände klatschen und verrückte Adler fliegen. Abgefahren. Und alle liegen sich in den Armen, als der Sieg (unerwartet) errungen ward. In meinen Augen war die bulgarische Mannschaft die bessere, aber eben nicht zu Hause. Alwin, Daniel, wenn ihr über Spielereinkäufe nachdenkt, dann kann man schon mal in Polen kucken gehen. Allerdings würde sich ein Blick nach Bulgarien noch eher lohnen, meine ich. Fantastische Blockspielerinnen, da sollte ich mal in die Schule gehen. Schier unglaublich, was für Wände die am Netz aufbauen!
Nachdem ich ja nun unerwartet noch ein paar Tage frei habe, genieße ich es, durch die Stadt zu schlendern, wenn sich nicht gerade Wolkenbrüche über Lodz ergießen. Im Englischen sagt man „it’s raining cats and dogs“, ich muss unbedingt das polnische Pendant dazu herausfinden... Jedenfalls bin ich davon überzeugt, dass Lodz keine so hässliche Stadt ist wie ich viele Stimmen hab sagen hören. Keineswegs! Industrie klar, und der Anblick beim Ausstieg aus dem Zug ist auch wirklich nicht schick, aber es gibt viele Grünflächen und etliche Straßenzüge oder –abschnitte, die einfach schön anzusehen sind. Und es gibt viele tolle Sachen in der Stadt: da ist zum Beispiel Hollylodz (hier kommt die Aussprache des polnischen ins Spiel: wenn man den Stadtnamen richtig ausspricht, dann heißt das nämlich „hollywoodsch), der polnische „Walk of fame“ in der Piotrkowska-Straße, der berühmten und einladenden Weggeh-Meile (bzw 5km) und Dreh-und Angelpunkt der Stadt. Ich muss gestehen, dass mir die meisten der dort in Sterne eingravierten Namen nichts sagen, außer Andrzej Wajda und Roman Polanski. Ich war ja am überlegen, ob ich Handschellen auf seinen Stern legen soll, allerdings hatte ich gerade keine einstecken. Dann gibt es da 12.859 Pflastersteine mit den Namen der Bürgerinnen und Bürger der Stadt Lodz zur Jahrtausendwende. Viele Denkmäler von berühmten Leuten, z.B. Artur Rubinstein, der an seinem Flügel sitzt und in die Tasten haut, natürlich ein Stück von Chopin aufgelegt. Oder, und das mag ich besonders, jenes von Julian Tuwim, der auf einer Bank sitzt und seinen Gedanken nachhängt. Tuwim hat verrückte Gedichte geschrieben, die auch mich angesprochen haben: er vermag es, mit seinen Worten Musik zu machen. So hörte ich Gedichte von ihm rezitiert mit den Namen „lokomotywa“ und „Radio der Vögel“. Unglaublich, wie lautmalerisch die polnische Sprache ist. Wenn man Tuwim hört, meint man, es fährt ein Zug neben einem ab, oder man befindet sich im Vogelhaus im Zoo.
Am anderen Ende der Piotrkowska-Straße befindet sich der „Platz der Freiheit“ – plac wolnosci. Mädels, habt ihr noch den „plat unirii“ in Bukarest in Erinnerung? Ungefähr 10mal kleiner, aber so vom Erscheinungsbild her das selbe.
So, das wars mal wieder, ich bin ja grad doch eher fleißig am Schreiben, wer soll das denn alles lesen?!
Pozdrawiam serdecznie,
- chrissi
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