Dienstag, 13. Oktober 2009

Przepraszamy pan, to z nowy my… czy możemy dostać jeszcze jedno noc? Supertramps on their way.

Eine der Reisen, an denen ich gewachsen bin, so viel steht schon mal fest. Und einige Zeichen deuten darauf hin, dass es wirklich ein sehr sehr guter Trip war: z.B. habe ich mein Telefon verloren. Das Verlieren von Dingen, die wichtig für mich sind, ist ein objektiver Indikator für die Güte eines Erlebnisses, somit bin ich hierbei schon mal auf der sicheren Seite. Ja, ich versuche, so schnell als möglich ein anderes Telefon aufzutreiben.... Zurück zu der Reise. Am Freitag Abend war großes Wiedersehen in der Franzosen-WG in Warschau, fast alle Teilnehmer des Sprachkurses und einige unserer polnischen Freunde waren da. Ich freute mich wie ein kleines Kind, als ich in Lodz in den Zug stieg, um dorthin zu reisen. Und vielleicht war das gesamte Wochenende ein magisches, denn schon im Zug kam es flux zu einer Unterhaltung mit zwei mittfünfziger Amerikanerinnen, die eine 14tägige Rundreise durch Polen beendeten; sie wandelten u.a. auf den Spuren ihrer jüdisch-polnischen Vorfahren. Eine sehr feine Sache, denn in diesen eineinhalb Stunden Fahrtzeit konnte ich durch die Unterredung mit den Damen meine Gedanken und Sichtweisen über Polen erneut sortieren und von außerhalb beleuchten lassen. Unser Gespräch war so herzlich, dass wir es nicht nur bei Erinnerungen an dieses Treffen belassen wollten, sondern auch Kontaktdaten austauschten. Mal sehen, wohin das führt. In Warschau dann holten mich Charlotte und Patrycja vom Bahnhof ab, wie heimkommen war das. Soooo viel zu erzählen gibt es! Ein Geschnatter ohne Ende... Und das Geschnatter hörte bis spät in die Nacht gar nicht mehr auf, der Morgen graute, als wir beschlossen, doch noch ein paar Stündchen zu schlafen, bevor die Tour losgeht. Die Tour, was ist die Tour? Alles begann damit, dass der Italiener Alessandro und die Deutsche Chrissi feststellen, dass sie beide sehr gerne klettern oder draussen unterwegs sind. Und da Warschau nun einmal doch eher als Stadt zu sehen ist, war klar, dass wir möglichst bald zu den Bisons im europäischen Urwald and der polnisch-weißrussischen Grenze müssen. Unser Plan war knapp und klar: Schlafsack, Isomatte, Wanderschuhe und dann los. Die Polin Patrycja erfuhr von unserem Vorhaben und stieg ein, unter der Bedingung, dass wir nicht viel Geld verbrauchen, weil sie das nicht hat. Wir zögerten keine Sekunde, dann hitchhiken wir eben! Und als letzter gesellte sich der Franzose Jean-Bernard dazu, 7 Stunden vor geplantem Aufbruch, sehr spontan, herzlich willkommen. In Gedenken an „Into the wild“, ein Film, den P und C sehr gerne mögen, klebten wir uns Aufkleber mit „Supertramp“ auf die Jacken und los gings. Schier unglaublich, aber mit nur 3 verschiedenen Fahrern schafften wir es von Warschau bis nach Bialowieza (von da aus sind’s 4 km nach Weißrussland). Der Ort ist sehr touristisch aufgebaut, was uns und unseren Geldbeuteln nicht so taugt, und somit fragten wir uns von Haus zu Haus, ob es denn nicht eine Scheune o.Ä. gäbe, in der wir übernachten könnten. Erinnerte ein bisschen an die Weihnachtsgeschichte, die Herbergen waren alle voll. Bis ein Mann auf einem Fahrrad unseren Weg kreuzte. Übrigens hatten wir ausgemacht, dass Patrycja nicht spricht, sondern wir Ausländer versuchen, mit unserem wenigen Polnisch die Lage zu klären. Und so fragten wir ihn, ob er nicht ein Plätzchen für uns wüsste. Er empfahl uns zunächst das erste Hotel am Platze, für das wir allerdings kein Geld hatten. Seine Antwort darauf hin war: Manchmal ist das eh besser ohne Geld“. Damit hat er sich einen Platz in meinem Herzen erobert. Wir sollten ihm folgen, er brachte uns zu Romek, seinem Freund, 77-jaehrig, der in einer kleinen Hütte lebt und uns gastfreundlichst aufnahm. Was wir dort erlebt haben, kann ich nicht in Worten wiedergeben und auch die Fotos schaffen nicht diese unglaubliche Atmosphäre. Soviel sei gesagt, wir waren alle 4 gebannt von dieser Herzlichkeit und Offenheit dieses Mannes, der es liebte, Geschichten zu erzählen, auch wenn wir ihn nur schwerlich verstanden. Mehr dazu gibt’s wohl besser in einem persönlichen Gespräch. Am nächsten Tag nach erneuten Gesprächen bis zum Mittag brachen wir dann auf Richtung Zubry, den Bisons. Es regnete den ganzen Tag, aber unsere Laune war bestens. Und uns war klar, dass wir an diesem Sonntag nicht mehr nach Warschau zurückkehren werden und wollen, sondern noch eine Nacht länger bleiben. Ich denke, wir waren insgesamt 5 Stunden unterwegs, als wir uns zurück in Bialowieza wieder nach einer Unterkunft umsahen. Romek sagte in der Früh zum Abschied, dass wir gerne wiederkommen können, wenn wir denn möchten, und dieses Angebot wollten wir annehmen. Bei ihm angekommen hatte er gerade den Herren, den wir schon vom Fahrrad kannten, zu Besuch, der uns dann wieder einpackte und mit zu sich nahm. Und dort erwartete uns noch einmal etwas anderes. Kennt ihr Kästners „Das fliegende Klassenzimmer“? Die gesamte Situation bei Waldemar, so heißt der Mann, erinnerte mich stark an den „Nichtraucher“ in Kästners Buch. Die Hütte, in der er lebte, hat er sich selbst gebaut aus Holz, in einem kleinen Raum, in dem er schläft, ist ein Ofen, mit dem er heizt. Er hat dort keinen Strom und kein fließend Wasser. Aber er hat unglaublich viele Bücher, Dostojewski, Czechow, Milosz, französische Philosophen, Goethe... unglaublich. Er kochte uns heißen Minztee mit Minze aus seinem Garten, damit wir uns aufwärmen konnten (wir waren inzwischen doch durchgefroren und klitschnass) und bei einer Partie Schach gegen Alessandro und Jean-Bernard versanken wir in dieser Traumwelt. Wir erwachten ziemlich schnell daraus, als wir ins Bett gingen. Neben seinem Hauptraum hat Waldemar einen kleinn Verschlag, in dem ein Bett steht und eine Art Dachboden, den wir als „Hochbett“ nutzen konnten. Allerdings war der Raum eiskalt, mein Thermometer zeigte 5°. Und die Jungs waren leider nicht sonderlich gut ausgestattet, was ihre Schlafsäcke anbelangt. Waldemar gab uns noch einige Decken und wir nutzten jeden Fetzen Stoff, den wir finden konnten, Biwacksack, Rettungsdecke. Für uns Mädels war die Nacht kein Problem, wir kuschelten uns eng aneinander und schliefen sehr gut. Die Jungs jedoch machten kein Auge zu, da es einfach zu kalt war für sie. Ich bin froh, dass keiner ernsthaft krank geworden ist, aber das war schon ne ganz schön extreme Nacht da! Der nächste Morgen begrüßte uns mit einem wohlgestimmten Waldemar, der draußen am Holzofen stand und heißen Tee für uns kochte, Wasser zum Waschen wärmte, ein Frühstück a la Waldemar zubereitete. Er erzählte uns, dass seine Frau und er heute Hochzeitstag haben. Seine Frau ist am 28.12.2008 verstorben, aber der Tag war noch immer sehr wichtig für ihn. Und wir gewannen den Eindruck, dass er sehr froh war, den Tag mit uns zu verbringen. Wir begannen, Fussball mit ihm zu spielen. Nach einer Zeit packte er eine selbstgebaute „Zielscheibe“ aus, auf die wir dann mit Pfeilen, Äxten und Messern Marke Eigenbau warfen und herzlich und viel lachten. Bis die Zeit kam, nach Hause aufzubrechen. Es war schließlch schon Montag und wir noch immer sehr weit von Warschau entfernt. So war das Ende durchaus wieder wehmütig, weil sich keiner von uns so richtig losreißen wollte von diesem Märchen. Und der Rückweg an sich machte es uns auch schwer. Es lief nicht ganz so glatt von der Hand wie die Anfahrt nach Bialowieza, wir standen viel im Regen und wir mussten uns dann doch irgendwann aufsplitten in 2er Gruppen, weil dann die Chancen einfach besser sind, als Anhalter mitgenommen zu werden. Irgendwo unterwegs verlor ich dann noch mein Telefon und bin somit im Moment also fernab der Kommunikationsmöglichkeiten, da das Internet in meiner Wohnung auch noch nicht funkitoniert. (Das dauert noch bis naechste Woche, war der neueste Stand der Dinge...) Wie dem auch sei, wir vier, die wir unterwegs waren, sind an dieser Reise durchaus gewachsen. Bei einem gemeinsamen Abendessen haben wir uns gleich die Bilder angesehen, bevor ich heute wieder in den strikten Uni-Alltag eingestiegen bin. Kaum zu glauben, dass dieser Traum stattgefunden hat und nun wieder vorbei ist.... keine Ahnung, ich glaube, man kann das als Aussenstehender nicht so ganz nachvollziehen. Da müssen wir dann vielleicht mal drüber quatschen...
Es grüßt herzlichst und verträumt,
TramperElla















2 Kommentare:

  1. Hey Ellla,
    das klingt einfach mal nur wie typisch Ella. Liebe Grüße.

    Simone

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  2. schön, dass es noch leute gibt, die was erleben ;) klingt gut, und so ist es auch geschrieben.
    lg
    christopher

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