Samstag, 14. November 2009

Whipple, Triple, Roux-loop

was 'ne Woche. Jetzt gehts hier aber ans Eingemachte, was mir durchaus recht ist. Morgens um acht heißt es Antreten zur ward-round, also der Stipp-Visite auf der allgemeinchirurgischen Station, was in Anbetracht der Tatsache, dass wir allesamt nicht genug polnisch verstehen, ein bisschen Lächerlich ist, aber immerhin sehen wir die Gesichter und riesen Narben der Patienten. Danach dann dürfen wir in den OP. Scrubs, also OP-Kleidung, haben wir gestellt bekommen, alledings nur eine Hose und ein Hemd für 4 Wochen. Mh, wie hygenisch. Na, und nachdem wir uns dann umgezogen haben, Häubchen, Mundschutz und Schuhbedeckung richtig sitzen, geht es in den OP. Ein bisschen schwierig ist es schon, etwas mitzubekommen, da neben meist 3 Operateuren noch 8 Studenten was sehen wollen, aber wir arrangieren uns meist recht gut. Also, was gabs bisher? Ne Nierentransplantation, Cholezystektomie, Rektumamputation und heute was äußerst spannendes: geplant war eine Pancreaticocholezytsduodenektomie nach Whipple, also das Entfernen der Bauchspeicheldrüse (zumindest deren Kopf), der Gallenblase und des 12-Finger-Darms wegen eines Tumores in der Bauchspeicheldrüse. Während der OP jedoch stellte sich heraus, dass das nicht möglich ist und man dem Patienten also keine kurative (=heilende) OP mehr zukommen lassen, sondern lediglich palliativ (als Beschwerden-mindernd und Lebensqualität-steigernd) vorgehen kann, das nennt sich in diesem Fall dann Triple-Bypass. Was man also gemacht hat ist, dass man den 12-Finger-Darm vom Magen abgekoppelte und anstelle dessen ein Stück Darm von weiter unten (Jejunum) zu einer neuen Darmschlinge legte (heißt dann Roux-loop) mit dem Magen verband (end-to-side Gastro-jejunale Anastomose); den nach Entnahme der Gallenblase verbleibenden Ductus choledochus mit eben jenem Darmstück verbunden (end-to-side)und dann am Ende Darm mit Darm (end-to-end) wieder verbunden hat. Schaut zwischendrin aus wie Kraut und Rüben, aber macht schon Sinn. Sehr spannend, muss ich sagen! Und auch interessant zu sehen, wie sehr die Chirurgen ins Schwitzen geraten sind, als es darum ging, am Tisch eine Entscheidung zu treffen: Whipple oder Triple? Nach 4 Stunden dann wars geschehen, der Patient erwachte, allerdings leider mit einer sehr tristen Prognose.
Am Mittwoch, 11.11., beging Polen im Übrigen Nationalfeiertag, denn mit Ende des 1. Weltkrieges vor 81 Jahren entstand erstmals seit mehreren Jahrhunderten wieder ein eigener polnischer Staat. An diesem Tag machten Donald und ich mich per Anhalter auf in das nahe gelegene Dorf "Piatek" (das heißt Freitag), das den geographischen Mittelpunkt des heutigen Polen darstellt. Die Autofahrer, die uns mitgenommen haben, schauten uns meist engeistert an und fragten, was in aller Welt wir denn in diesem Dörfchen machen wollten. Als wir dann da ankamen und den Markstein der Mitte Polens sahen, fragten wir uns das auch. Aber 'ne lustige Reise wars allemal!
pozdrawiam serdecznie! -chrissi

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