heute ein voller tag. in der früh schon aufgebrochen mit dem Zug nach Czestochowa, einem der wichtigsten Marienwallfahrtsorte Europas nebst Lourdes, Altötting, Mariazell und Fatima. Die Stadt ist nur rund 130 km von Lodz entfernt und gerne, sehr sehr gerne wäre ich getrampt, allerdings kneife ich bei diesen Temperaturen, -7 Grad. Ne ne ne, nicht mit mir. Fritte, gib mir mal Tipps, wie man da draußen warm bleibt, bzw gib mir gute Kleidung ;-).
Nichts desto trotz bin ich dort durch die Stadt gewatscht und habe meinen ersten Weihnachtsmarkt in diesem Jahr besucht! Juchuuuu, wie schön. Mein Hauptziel immer im Blick, die "Jasna Gora", zu Deutsch der Helle Berg, auf dem sich das Kloster des Paulinerordens befindet und in der Kapelle der Mutter Gottes ihr großes Heiligtum: das Bild der Schwarzen Madonna, das jedes Jahr von Tausenden von Pilgern angesteuert wird. Nur nicht im Winter, bei diesen Temperaturen. Das war quasi mein Vorteil - nix los. Dieser Ort ist für Polen nicht nur aus religiösen Gründen ein wichtiger Ort, es ist quasi DER Ort schlechthin, der Jungbrunnen des Nationalbewusstseins. Der Hauptgrund für die Anbetung dürfte wohl in der geografisch und historisch bedingten verwundbaren Stellung Polens liegen: Immer wieder haben nicht-katholische Feinde wie Deutsche, Russen und Schweden versucht, das Kloster Jasna Góra zu stürmen. Jedesmal gelang es den polnischen Verteidigern, die Belagerung durch die Feinde erfolgreich abzuwehren. Der Erfolg wurde der Wunderkraft der segensreichen Muttergottes von Tschenstochau zugeschrieben. Das Bildnis der Gottesmutter hat ähnlich gelitten wie Polen selbst: beim Versuch der Schweden im 17. Jahrhundert, die Stadt zu belagern, wurden Maria drei Einschnitte auf die Wange verpasst. In ihrer Existenz sah und sieht man somit bis heute den Garanten für die Existenz des polnischen Staates. Insofern ist es auch irgendwie nicht verwunderlich, dass ein Teil des Klosters eine Ausstellung über die Solidarnosc-Bewegung beherbergt, in deren Mitte die Medaille des Friedensnobelreises Lech Walesas ausgestellt wird.
Ich habe dort auch an einer Hl. Messe teilgenommen und zum ersten Mal ist mir aufgefallen, dass dort auch sehr viel für den Polnischen Staat als solchen gebetet wird. Höchst interessant. Was ich jedoch mit meinem Gottesbild nicht vereinen kann, ist eine stark ausgeprägte Unterwerfung. In der Kapelle der Mutter Gottes umkreisen Menschen den Altarraum auf Knien während sie beten. Das war für mich persönlich zu heftig. Ich frage mich, wer auf dieser Welt etwas davon hat, wenn ein Mensch (jeden Alters übrigens) auf Knien durch die Gegend rutscht. Und so wie ich unseren Gott einschätze, hat er davon auch nix, weil er nicht darauf aus ist, uns als seine Unterworfenen zu sehen, davon hat er nix; aus Ruhm glaub ich macht er sich nichts. Ich glaube, er sähe es lieber, wenn wir ihm dienen, aber nicht, indem wir unsere Knie ruinieren, sondern unserem Nächsten Gutes tun. Damit erweise ich Gott doch die höchste Ehre, oder nicht?! Verzeih mir Vater, wenn ich mit diesen Worten sündigte!
Nach mehr als 4 Stunden auf diesem Anwesen dann endete mein Tag in Czestochowa nach einer Portion wirklich guten heißen Bigos' auf dem Feuer gekocht. Mmmmhhhhh....
So, das war erstmal der letzte Eintrag von mir, wohl bis zum neuen Jahr. Am Wochenende gehts nach Zakopane, dort kann ich bei couchsurfern unterschlüpfen und sie nehmen mich mit in meine geliebten Berge (ob ich die polnischen Karpaten lieben werde, weiß ich noch nicht, aber ich weiß, dass ich Berge mag und inzwischen auch sehr sehr vermisse!), daraufhin nach Tarnow und dann ins neue Jahr.
In diesem Jahr freue ich mich doppelt: zum Einen, weil Weihnachten ist und zum Anderen, weil ich nächstes Weihnachten hoffentlich wieder im Kreise meiner Familie feiern werde. Jetzt weiß ich dieses Glück der letzten 22 Jahre erst so richtig zu schätzen. Mami, Papi, Flo, Stephan - ihr fehlt mir hier.
Liebe Grüße nach Hause, ich wünsche euch eine ruhige Weihnachtszeit!
-chrissi
